Kopfleiste

Geschichte des Hauses

Im Laufe der Jahrzehnte wehte  ein wechselnder Geist durch die großzügigen Räume der Goethestraße 1.
Die Alten Herren des Akademischen Turnvereins waren zu Beginn des 20.Jahrhunderts von Nachwuchssorgen geplagt. Ein repräsentatives Haus in zentraler Lage sollte da Abhilfe schaffen. Man schrieb das Jahr 1911 und bereits ein Jahr später war das neue Vereinshaus erbaut, großzügig ausgestattet mit einem Saal für 100 Personen, mit sich über große Flügeltüren anschließendem Ess-, Spiel- und Billardzimmern, Veranda, Weinkeller und Mädchenkammer und einem geräumigen Fechtboden. Allerdings währte die Freude des Akademischen Turnvereins (1923/24 umbenannt in Akademische Turnverbindung) am neuen Haus nicht lange. 1934 wurden die Verbindungen verboten und die Verbindungshäuser in aller Regel Ende der 30er Jahre verkauft. Im Greifswalder Adressbuch von 1937 ist die Stadt als Eigentümer des Gebäudes eingetragen und als Bewohner der Fischhändler Paul Köppen. 1942 wurde das Haus vorübergehend von der Kinderklinik der Universität (Soldmannstraße 15) als Außenstelle genutzt. Von 1947-1955 fand die Volksbücherei ein vorübergehendes Domizil in den Räumen des Hauses. Eine Anordnung des Ministers für Kultur zur strukturellen Vereinigung der Kreisbibliotheken mit den vorhandenen Stadtbibliotheken ab 1.1.1955 erzwang infolge Raummangels Mitte Juni 1955 den Umzug beider Einrichtungen ins Rathaus. Nach diesen wechselvollen Jahren diente das Gebäude zu DDR-Zeiten ohne größere Umbauten dem Kreisschulamt als Arbeitsort. So wecken der für Sitzungen genutzte Saal oder das Schild „Sachbearbeiter für Besoldung“ noch heute viele Erinnerungen bei Greifswalder Lehrern. Hinzu kam in dieser Zeit ein in Eigenleistung errichtetes Hofgebäude, in Form eines Flachbaus mit fünf Zimmern und zwei Garagen.
Nach der Wende fand das Landesinstitut für Schule und Ausbildung (L.I.S.A.) mit dem Lehrerprüfungsamt seinen Sitz in der Goethestraße 1, bis sie 1999 in der Bahnhofstraße ein neues Domizil bezogen.
Ca. 1 Jahre standen die Räumlichkeiten mehr oder weniger leer und wurden als Band- Probenräume, für Kunstpräsentationen, als Büro und Abstellraum genutzt.
Auf der Suche nach einem geeigneten Objekt für die Verwirklichung von vagen Ideen stießen die Begründer des IKuWo im Oktober 2000 auf die im Stadtbesitz befindliche Goethestraße 1. Sofort war klar: Das ist unser ideales Haus! Und das erste Konzept wurde anhand der sich bietenden Möglichkeiten schnell konkret: Der Saal steht offen für Vorträge, Lesungen, Feste, auf der Hofseite ist ein Café entstanden, Keller und Garagen werden als Werkstätten genutzt. Die Zimmer im Obergeschoss des Haupthauses und in der  Baracke auf dem Hof dienen hingegen als Wohnraum. Ab Januar 2001 war in der Baracke ein „Kontaktbüro“ geschaffen und seit April 2001 konnten wir auch das Haus für Veranstaltungen nutzen. Den großen Auftakt bildete ein internationales Workcamp im Juni/Juli des Jahres, wo in Eigenleistung die Südfassade des Hauses mit Fresken und Mosaiken farbenreich saniert wurde.
Mit der Neueindeckung des Daches, Ausbesserungen im Dachstuhl und der Installation eines neuen Heizkessels konnten der Verein seine Aktivitäten in trockenen und ab Dezember 2001 warmen Räumen fortsetzen. Auch wenn für die als Sofortmaßnahmen geplanten Bauvorhaben wie z. B. die Trockenlegung des Kellers von Seiten der Stadt bereits keine Gelder mehr zur Verfügung stehen, bieten die Gebäude trotz aller Provisorien bereits einen Raum, der nach Jahrzehnten von Hierarchien, Richtlinien und festen Strukturen verschiedener Ausrichtungen geprägt ist von Selbstorganisation, Kreativität, Freiräumen und Eigeninitiative.

 

bullet Impressum bullet Login